EXHIBITION TALKS
Anstatt die Größe der Räume und ihre gebaute Anordnung etwa über einen Rundgang durch das Gebäude zu “erzählen”, fängt die Kamera Details der Fassade und der Innenräume ein, die zum einen mit ihren klar gezogenen Linien und den vielfältigen Gelegenheiten zu Ein-, Aus- und Durchblicken von der Formensprache der klassischen Moderne zeugen, zum anderen diese Formensprache einem optischen Spiel von Licht und Schatten, von Grauwerten und Schwarzweiß aussetzen, das die drei Dimensionen des Bauwerks grafisch auflöst. Bestand die Pointe der doppelten Rezeptionsweise von Gebäuden bei Benjamin in der Übertragung auf die Wahrnehmungsbedingungen am Ort des Kinos (Zerstreuung statt Kontemplation), scheint die experimentelle Entkopplung von optischer Wahrnehmung und taktilem Gebrauch in Exhibition Talks einer anderen Logik zu folgen. Obwohl vom Bild strikt getrennt, suchen die Möglichkeiten des Gebrauchs nach Wegen ins Sichtbare. “Normalerweise ist der Eingang hier”: Zu sehen ist eine Öffnung, durch die Licht auf eine Wand fällt, während der übrige Raum im Schatten versinkt. Die Öffnung ist ein Fenster, sie könnte aber auch eine Tür sein bzw. ist sie gerade im Begriff, zu einer solchen zu werden. Von solchen Übergängen handelt Exhibition Talks: vom Offenen, vom Beweglichen und Veränderlichen des gebauten Raums. (Text: Vrääth Öhner) |